24. Juni 2026

Unser Mitglied Claudia Dzsida brachte von den 60. Münchner EEG Tagen, die vom 11.3.-13.3.2026 stattfanden, viele Eindrücke mit. Deutlich wurde, wie breit sich das Feld zwischen klinischem EEG, Neurofeedback, moderner Psychiatrie und nicht invasiver Hirnstimulation entwickelt.

Ein Schwerpunkt lag auf neuen Ansätzen im Neurofeedback. Vorgestellt wurde unter anderem die Kombination von EEG und fMRT Neurofeedback. Damit lassen sich tiefer gelegene Hirnregionen wie Amygdala, ventrales Striatum oder Nucleus accumbens gezielter erfassen. Für PTBS, Angststörungen, Depressionen, Borderline Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankungen oder Essstörungen könnten daraus langfristig neue Trainingsprotokolle entstehen.
Die Methode ist technisch aufwendig und befindet sich in einem frühen Forschungsstadium. Für die Praxis braucht es weitere wissenschaftliche Absicherung und klare klinische Protokolle.

Weitere Vorträge befassten sich mit möglichen EEG Markern bei ADHS und Autismus, veränderten Konnektivitätsmustern im Ruhenetzwerk und Auffälligkeiten frontaler Hirnregionen. Auch der Einsatz des EEG in der personalisierten psychiatrischen Behandlung wurde diskutiert. Besonders interessant war der Hinweis, dass EEG Muster bei Depressionen Hinweise auf eine passende Medikamentengruppe geben könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt war nicht-invasive Hirnstimulation in der Psychiatrie. rTMS, tDCS und transkutane Vagusnervstimulation wurden verglichen. Nach den vorgestellten Daten erscheint rTMS derzeit am überzeugendsten, während andere Verfahren kritisch eingeordnet werden müssen.

Weitere Beiträge behandelten Insomnie, Normvarianten des EEG, epilepsietypische Potenziale, dissoziative Anfälle, Pharmakotherapie bei Epilepsie, Schwindel sowie neuronale Korrelate von Angst und Furcht.

Der Eindruck: Das EEG bleibt ein zentrales diagnostisches Verfahren. Zugleich öffnet sich ein Feld für differenziertere, individualisierte und neurobiologisch fundierte Behandlungsansätze. Für die Biofeedback und Neurofeedback Praxis ist das fachlich interessant, auch wenn viele Anwendungen weiterer Absicherung bedürfen.