25. Februar 2026

NO STRESS, NO PAIN. Ohne Stress schmerzfrei leben? Das war der Workshop am 20. Februar 2026 auf der Flussschifferkirche im winterlichen Hamburger Hafen. Ein Tag. Ein klarer Fokus: Stressmechanismen verstehen und klinisch nutzbar machen. Mit Biofeedback und Neurofeedback.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem praxisnahen Rahmen durch Dr. Klaus Jörg Münzer und Dr. Ralf Friedrich. Beide sind Mitglieder der DGBfb.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Bernd Löwe (UKE Hamburg Eppendorf) setzte den theoretischen Startpunkt mit dem Konzept anhaltender körperlicher Symptome. Zentral war der Perspektivwechsel weg vom Etikett „unerklärlich“. Im Vordergrund standen transdiagnostische Mechanismen, ein Vulnerabilitäts Stress Modell und die Rolle von Erwartungen in der Symptomwahrnehmung. Besonders greifbar war die Botschaft: Wahrnehmung ist prädiktiv. Behandlung heißt deshalb oft auch, Erwartungen gezielt zu verändern und neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Ein wichtiger Baustein war dabei die somatische Belastungsstörung. Prof. Löwe stellte den diagnostischen Wandel heraus. Nicht die Frage „erklärbar oder nicht“ steht im Zentrum, sondern positive Kriterien: anhaltende belastende Symptome, übermäßige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit den Beschwerden, ausgeprägte Krankheitsängste, wiederholtes Kontroll- und Schonverhalten sowie spürbare Funktionseinbußen. Entscheidend ist die klinische Konsequenz. Diese Perspektive ermöglicht frühere, gezieltere Unterstützung, ohne die Betroffenen in ein entwertendes Entweder-oder zwischen Körper und Psyche zu drängen.

Dr. Paul Hüsing, Vizepräsident der DGBfb (Psychosomatik, Forschung und Psychotherapie), schlug die Brücke zur Versorgungsrealität bei chronischen Rückenschmerzen. Er verband biopsychosoziale Risikofaktoren mit Herzratenvariabilität und dem praktischen Nutzen von Langzeitdaten. Ein Kernpunkt war die Differenz zwischen Momentaufnahme und Verlauf. Smartwatch-Daten können Muster über Wochen sichtbar machen, die im Gespräch sonst schnell verloren gehen. Dazu kam ein klarer Trainingsbezug: HRV-Biofeedback als Regulationsübung, die auf Alltag und Selbstwirksamkeit zielt.

Im Praxisblock von Dr. Klaus Jörg Münzer ging es um Schmerzmechanismen und um das, was Patientinnen und Patienten oft am stärksten überzeugt: sichtbare Kurven. Muskeltonus, Hautleitwert, Temperatur, Atmung. Dazu die klinischen Klassiker wie Spannungskopfschmerz und Migräne, inklusive typischer Muster wie dem „Treppeneffekt“, wenn Entspannung nicht mehr vollständig gelingt. Stress wurde nicht wertend diskutiert, sondern physiologisch. Gas und Bremse. Sympathikus und Parasympathikus. Und die pragmatische Frage: Was lässt sich bei dieser Person tatsächlich trainieren?

Der Live-Stresstest verdeutlichte dies: Sensoren anlegen, Ausgangslage, Belastung, Erholung. Nicht jede Demonstration zeigt das Lehrbuchmuster. Genau das war lehrreich. Es ging um die Interpretation von Verläufen statt um starre Grenzwerte. Und um den Schritt von der Messung zur Therapieplanung.

Dr. Ralf Friedrich gab eine Einführung in das Neurofeedback. Verständlich und anwendungsnah. EEG-Frequenzbänder, Trainingslogik, Artefakte, Schwellensteuerung. Für den Schmerzkontext standen SMR-Training und Alpha-Training als Ansatzpunkte im Vordergrund. Dazu klare Hinweise zu Rahmenbedingungen, Motivation und Dauer, inklusive Optionen für Heimtraining und Verlaufskontrolle.

Abgerundet wurde der Tag durch die Möglichkeit zur Fragestellung der Teilnehmenden im Rahmen einer Paneldiskussion unter dem Titel „Kein Stress, keine Schmerzen?“. Die Tonlage blieb realistisch. Stress ist nicht „wegzumachen“. Aber Regulation ist trainierbar. Und genau darin liegt die klinische Chance.

Der Workshop wurde von der DGBfb e.V. gefördert.