11. Oktober 2026

von Dr. med. Silvia Noetzel

Dies war meine zweite Teilnahme an einer BFE Jahrestagung und erneut empfand ich die Stimmung bei der Tagung als sehr freundlich, insbesondere auch als „not native speaker participant“ bei der Kongresssprache Englisch.
Erwähnen möchte ich, dass alle Vorstandsmitglieder – insbesondere Erik Peper, Ph.D. als Präsident – für jede Frage offen waren und stets vermittelten, dass vor allem im kollegialen Gespräch Wissensvermittlung stattfindet und alle damit ihr Wissen erweitern können und auch nur auf diesem Wege Fehler erkannt und korrigiert werden können.

Es gab einen allgemeinen Wissenschaftsteil mit Vorträgen und Workshops und natürlich „get together Veranstaltungen“.

Über meinen Grundlagen QEEG Neurofeedback Workshop (Referenten Brendan Parsons, Luciana Lorenzon, Elena Barel) möchte ich genauer berichten.
Die Grundlagen wurden gut erklärt (Anatomie, Physiologie, Biochemie, Netzwerke (es gibt bis zu 20! verschiedene Netzwerke ) sowie auch die Geschichte des Neurofeedbacks.
Hier stichwortartig das für mich Neue – im Vergleich mit den mir bekannten deutschen Herangehensweisen.

  1. Vor dem Start des Trainings werden verschiedene Teste je nach Symptomatik durchgeführt, die am Ende erneut erhoben und verglichen werden.
    (z.B. MMPI test (Minnesota Multiphasic Personality Inventory, Psych Py)
  2. Vor jedem Training wird eine Baselinetestung durchgeführt (ca. 5 Min.), um die Daten miteinander zu vergleichen sowie eine
    EO (Eyes open) und EC (Eyes closed) Messung (wichtig für die Aussage der Übermüdung) durchgeführt.
  3. Es geht immer um Verstärkung des Verhaltens, welches gewünscht ist, positiv wie negativ und nicht um Bestrafung im Feedback.
    Dabei wird häufig auch das Token Prinzip mit angewandt.
  4. Die Alpha Peak Messung (Hz) wird für die cognitive Leistungsfähigkeit auch im Feedback herangezogen.
  5. Delta wird als Trägerrhythmus mit in die Analyse einbezogen, insbesondere posterior.
  6. Nach jeden Trial a 3 – 6 Minuten werden die Ergebnisse mit dem Pat. besprochen.
    Ziel ist es, dass der Pat. seine Ergebnisse verstehen und zu interpretieren lernt – auch bei Kindern und Jugendlichen.
    Das Training ist zu sehen wie ein Prozess (ride! a bike), das passende Training zu finden kann bis zu 5 Sessions dauern, 15 Std. für den Response
    und 15 Std. zur Stabilisierung.
  7. Es werden Trainingshypothesen für das weitere Vorgehen aufgestellt und getestet. Das ist unabdingbar, um das richtige Setting zu finden-
    es gibt nicht DIE TRAININGSMETHODE.
  8. Man kann einen übermüdeten Patienten NICHT mit Neurofeedback behandeln – zuerst sollte die Schlafstörung behandelt werden. Wenn in der cerebralen Funktionshierarchie die Basis nicht solide ist, können die oberen Parameter nicht funktionieren. Base to top: physiologischer Status (Schlafstörungen, chronischer Schmerz, Tinnitus) – emotionale Selbstregulation (Angst,Depression) – Verhaltensregulation und motorische Kontrolle – perceptuale Funktionen (Wahrnehmung) – cognitive Funktionen – exekutive Funktionen
  9. Das Atemtraining und/oder HRV kann als Biofeedback mit eingesetzt werden und ggf. zu Beginn nur dieses in das Feedback eingebunden werden.

Auf jeden Fall ist die Jahrestagung sehr zu empfehlen für andere Sichtweisen, Wissensvermehrung und für die Verbesserung der englischen Sprachpraxis.
Die BFE Jahrestagung 2027 findet vom 12.- 17. 4. in England, Lincoln statt.