27. September 2026

Der dritte und letzte Tag der 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback e.V. begann mit einer Premiere: Dr. Paul Hüsing eröffnete erstmals in seiner neuen Funktion als Präsident der DGBfb das wissenschaftliche Programm.

Inhaltlich reichte der Vormittag von Post Covid und künstlicher Intelligenz über Migräne und Kopfschmerz bis zu Virtual Reality und internationalen Erfahrungen mit Biofeedback.

Mobiles Biofeedback bei Post Covid

Dr. med. Hannah Dinse aus Essen stellte eine Studie zum mobilen respiratorischen Biofeedback bei Patientinnen und Patienten mit Post Covid und psychischer Belastung vor.
Die Betroffenen zeigen häufig ein komplexes Beschwerdebild mit Fatigue, Konzentrationsproblemen, Schmerzen, Atembeschwerden sowie psychischer Belastung. In der vorgestellten Studie wurde deshalb eine sechswöchige Gruppentherapie mit anschließendem vierwöchigem mobilen Atembiofeedback kombiniert. Rund 60 Patientinnen und Patienten wurden in die Untersuchung eingeschlossen.
Bei den Teilnehmenden, von denen Daten des häuslichen Trainings ausgewertet werden konnten, zeigten sich Verbesserungen von Atemrate und Regelmäßigkeit der Atmung. Für längerfristige Veränderungen der HRV reichen die bisherigen Daten noch nicht aus. Besonders wichtig war die praktische Erfahrung, dass Menschen mit Post Covid aufgrund von Fatigue und Konzentrationsproblemen eine einfache Technik, kurze Trainingseinheiten und eine enge Begleitung benötigen.

KI zwischen Effizienz und Daueranspannung

Mag. Bettina Seitlinger aus Graz beschäftigte sich mit den physiologischen Auswirkungen KI gestützter Arbeitsprozesse und der möglichen Rolle von Biofeedback und Neurofeedback.
KI kann Arbeitsprozesse beschleunigen und Routineaufgaben erleichtern. Gleichzeitig kann sie aber auch zu höherer Informationsdichte, größerem Kontrollaufwand und Technostress führen. Die entscheidende Frage ist deshalb, ob gewonnene Zeit tatsächlich zur Erholung genutzt wird oder lediglich zu einer weiteren Verdichtung der Arbeit führt.
Biofeedback kann hier helfen, individuelle Stressmuster sichtbar zu machen. Denkbar ist beispielsweise, Hautleitwert, Atmung, Muskelspannung oder Herzratenvariabilität während der Arbeit mit digitalen Systemen zu beobachten. Daraus können individuelle Regulationsstrategien und kurze bewusste Pausen entwickelt werden. Biofeedback sollte dabei nicht dazu dienen, Menschen lediglich noch leistungsfähiger zu machen, sondern Selbstregulation und einen gesunden Umgang mit Technik unterstützen.

Migräne, Kopfschmerz und Zusammenarbeit zwischen Fachgesellschaften

Dr. Thomas Dresler aus Tübingen stellte die Arbeit der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e.V. vor. Die Verbindung zur DGBfb ist auch fachlich eng, da Biofeedbackverfahren in der Migränebehandlung sowohl in der Prophylaxe als auch bei der Anfallskupierung eine Rolle spielen.
Die DMKG engagiert sich unter anderem in Forschung, Leitlinienarbeit, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Vorgestellt wurden das Zertifikat Kopf und Gesichtsschmerz, das Kopfschmerzregister sowie verschiedene Fortbildungsangebote. Besonders interessant war auch die Nachwuchsförderung durch die Junge DMKG, die junge Forschende miteinander vernetzt und den wissenschaftlichen Austausch unterstützt.

Virtual Reality bei Schulangst

Dipl. Inform. Stephan Kiefer vom Fraunhofer Institut stellte das Projekt angstVRei vor. Dabei wird ein Virtual Reality Therapiespiel für Kinder mit klinisch relevanter Schulangst entwickelt.
In virtuellen Schulumgebungen können belastende Situationen wie ein Vortrag vor der Klasse oder soziale Situationen auf dem Schulhof schrittweise geübt werden. Bewältigungsstrategien und eine unterstützende virtuelle Figur sollen den Kindern helfen, die Situationen zunehmend selbstständig zu meistern.
Besonders spannend ist die geplante Stresserkennung. Herzrate, Herzratenvariabilität, Stimme und Spielverhalten sollen mit der subjektiven Belastung der Kinder verbunden werden. Perspektivisch könnte die Intensität der virtuellen Exposition damit stärker an die individuelle Stressreaktion angepasst werden. Die geplante klinische Studie soll 40 Kinder mit Schulangst einschließen.

Biofeedback in Indien

Den Abschluss des wissenschaftlichen Programms gestaltete PD Dr. med. habil. Rüdiger Schellenberg aus Hüttenberg mit einem persönlichen Erfahrungsbericht über seine Arbeit in Indien.
Im Mittelpunkt standen Fortbildungen und Kooperationen mit indischen Universitäten und Fachkolleginnen und Fachkollegen. Schellenberg berichtete von einem großen Interesse an praktischen Biofeedbackanwendungen, gleichzeitig aber auch von Herausforderungen durch die Kosten und Verfügbarkeit professioneller Geräte. Praktische Demonstrationen und unmittelbar einsetzbare Verfahren spielen deshalb eine besonders wichtige Rolle.
Sein Beitrag bildete zugleich einen passenden Abschluss der Tagung. Bei aller technischen Entwicklung dürfe die menschliche Seite nicht verloren gehen. Zuhören, beobachten, sprechen und eine gute therapeutische Beziehung bleiben wesentliche Voraussetzungen einer erfolgreicher Behandlung.

Abschluss der Jahrestagung
Mit diesem Vormittag endete das wissenschaftliche Programm der 25. Jahrestagung.

Am Nachmittag folgten die Workshops zu Forschungsmethodik, Positionierung in der Praxis, Supervision sowie 20 Jahren Biofeedback und Neurofeedback.

Nach drei Kongresstagen zeigte sich erneut die große Bandbreite unseres Fachgebietes. Mobile Anwendungen, KI und Virtual Reality eröffnen neue Möglichkeiten. Gleichzeitig bleiben individuelle Anpassung, wissenschaftliche Sorgfalt und die therapeutische Beziehung die Grundlage eines verantwortungsvollen Einsatzes von Biofeedback und Neurofeedback.
Ein besonderer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, den Teilnehmenden, unseren Fördermitgliedern sowie Petra Dumat und Monika König aus dem Sekretariat, die wesentlich zum Gelingen der Online Jahrestagung beigetragen haben.