6. Oktober 2026

Warum HRV allein nicht immer die ganze Geschichte erzählt

Design

Meier und Mitarbeitende untersuchten 94 gesunde Erwachsene. Nach randomisierter Gabe von Glukose oder Wasser folgte entweder eine standardisierte Massage oder eine Ruhebedingung. Erfasst wurden subjektives Erleben, Blutdruck sowie kardiale parasympathische und sympathische Parameter.

Ergebnisse

Massage und Ruhe wurden subjektiv als entspannend erlebt. Auch parasympathische Marker wie RMSSD und HF nahmen zu. Nach Glukosezufuhr blieb jedoch die sympathische kardiale Aktivierung erhöht.

Einordnung und Praxisbezug

Der scheinbare Widerspruch ist für Biofeedback wichtig: Ein Mensch kann sich entspannt fühlen und gleichzeitig physiologisch weiter aktiviert sein.

HRV ist ein wichtiger Parameter, bildet aber vor allem die vagale Seite der Regulation ab. Psychophysiologische Diagnostik sollte deshalb nicht vorschnell aus einem einzelnen Messwert auf den gesamten autonomen Zustand schließen. Subjektives Erleben, Atmung, Herzaktivität und weitere physiologische Parameter sollten möglichst gemeinsam betrachtet werden.

Quelle

Meier M, Unternaehrer E, Ashcraft SJ, Denk BF, Gaertner RJ, Klink ESC, Wienhold S, Volkmer N, Pruessner JC. The effect of glucose on cardiac reactivity to a standardized massage in healthy adults. International Journal of Psychophysiology. 2026;224:113367. doi: 10.1016/j.ijpsycho.2026.113367. PMID: 41876065.