21. Juni 2026

Design

Meier et al. untersuchten 94 gesunde Erwachsene. Die Teilnehmenden kamen nüchtern ins Labor und erhielten randomisiert entweder Glukose oder Wasser. Danach folgte entweder eine standardisierte Massage oder eine Ruhebedingung. Erfasst wurden unter anderem Blutzucker, Blutdruck, subjektives Erleben und Herzaktivität mittels EKG und Impedanzkardiographie.

Ergebnisse

Massage und Ruhe wurden subjektiv als entspannend erlebt. Auch die parasympathische Aktivität nahm zu. Die Forschenden nutzten dafür unter anderem RMSSD und HF im Bereich von 0,15 bis 0,4 Hz. Glukose veränderte die subjektive und parasympathische Entspannungsreaktion kaum. Gleichzeitig blieb die sympathische Aktivierung nach Glukosezufuhr erhöht. Dafür wurde die Präejektionsperiode erfasst. Sie beschreibt die Zeit vom Beginn der elektrischen Erregung der Herzkammer bis zum Öffnen der Aortenklappe. Eine kürzere Präejektionsperiode spricht eher für stärkere sympathische kardiale Aktivierung.

Einordnung

Die Studie zeigt, dass Entspannung nicht mit einem einzelnen Messwert gleichgesetzt werden kann. Wer nur auf HRV schaut, sieht vor allem die vagale Seite. Der Sympathikus kann trotzdem aktiv bleiben. Subjektives Erleben, parasympathische Regulation und sympathische Aktivierung können von einander abweichen.

Praxisbezug

Für Biofeedback ist dieser Befund wichtig, weil er zeigt, dass Entspannung nicht auf einen einzelnen Messwert reduziert werden kann. Für die Praxis bedeutet das: HRV ist ein zentraler Parameter, bildet aber vor allem die vagale Regulation ab. Sie sagt nicht automatisch, dass auch die sympathische Aktivierung zurückgegangen ist. Deshalb sollte psychophysiologische Diagnostik möglichst mehrere Ebenen berücksichtigen, etwa subjektives Erleben, Atmung, Herzrhythmus, Blutdruck und, wenn verfügbar, zusätzliche Maße sympathischer Aktivierung.

Bei gezielten Entspannungsübungen kann es daher sinnvoll sein, unmittelbar vorher auf stark zuckerhaltige Getränke oder Speisen zu verzichten. Nicht weil Entspannung dann unmöglich wäre, sondern weil der Stoffwechselreiz die sympathische Aktivierung aufrechterhalten kann. Gerade im Biofeedback ist dieser Unterschied relevant: Was sich entspannt anfühlt, muss physiologisch nicht vollständig beruhigt sein.

Quelle

Meier M, Unternaehrer E, Ashcraft SJ, Denk BF, Gaertner RJ, Klink ESC, Wienhold S, Volkmer N, Pruessner JC. The effect of glucose on cardiac reactivity to a standardized massage in healthy adults. International Journal of Psychophysiology. 2026;224:113367. doi: 10.1016/j.ijpsycho.2026.113367. PMID: 41876065.