25. September 2026
Der Auftakt am Donnerstag zeigte bereits die große thematische Breite unseres Feldes: von HRV Biofeedback bei chronischen Schmerzen über EEG Sonifikation und die psychophysiologischen Auswirkungen von Deepfakes bis zur Behandlung funktioneller Beschwerden und von Schlafstörungen.
Dr. Axel Kowalski, Viersen, Präsident der DGBfb, eröffnete die Jahrestagung mit einem Blick auf aktuelle Entwicklungen im Biofeedback und Neurofeedback. Er verwies unter anderem auf neuere Forschungsarbeiten zu ADHS, posttraumatischen Belastungsstörungen und HRV Biofeedback sowie auf die zunehmende Verbindung mit neuen Technologien, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Gleichzeitig wurde deutlich: Die wissenschaftliche Diskussion über Wirksamkeit, spezifische Effekte und geeignete Studiendesigns bleibt lebendig.
Den wissenschaftlichen Auftakt bildeten die beiden Beiträge der Posterausstellung.
Alexis Olguin Baxman, Oldenburg: „Regulation und Diskrimination von EEG Alphaaktivität mit Sonifikation?“
Untersucht wurde, ob die akustische Rückmeldung der eigenen Alphaaktivität die Regulation und die bewusste Unterscheidung hoher und niedriger Alphazustände verbessern kann. Die Teilnehmenden konnten ihre Alphaaktivität grundsätzlich gezielt verändern. Ein zusätzlicher Vorteil der Echtzeit Sonifikation ließ sich in der einzelnen Sitzung jedoch nicht zeigen.
Diskutiert wurden unter anderem die hohe Schwankungsbreite des EEG Signals, mögliche zusätzliche kognitive Belastung durch das akustische Feedback und die Frage, ob für das Erlernen der Kopplung zwischen Klang und Gehirnaktivität längere Trainingszeiträume erforderlich sind.
M.Sc. Psych. Sophie Schmitz, Hamburg: „Autonome Dysbalance als Prädiktor für Schmerzerwartungen und Schmerzerleben bei chronischen Rückenschmerzen“
Die vorgestellte BACK.BEAT Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Herzratenvariabilität, Schmerzerwartung und tatsächlich erlebtem Schmerz. Über vier Wochen werden HRV Daten und tägliche Angaben zu erwarteten und tatsächlich aufgetretenen Schmerzen erhoben.
Die Interventionsgruppe erhält zusätzlich ein HRV Biofeedbacktraining mit Bestimmung der individuellen Resonanzfrequenz und anschließendem häuslichem Atemtraining. Im Mittelpunkt der Pilotstudie steht zunächst die Machbarkeit des Studiendesigns. Die Datenauswertung läuft derzeit. Erste qualitative Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen unterschiedliche, insgesamt aber überwiegend positive Erfahrungen mit dem Training.
M.Sc. Psych. Tania Lalgi, Essen: „Feasibility of the DeepSelf paradigm: Psychophysiological reactions to deepfakes of oneself“
Ein besonders aktuelles Thema war die Frage, was geschieht, wenn Menschen mit täuschend echt wirkenden KI generierten Darstellungen der eigenen Person konfrontiert werden.
In der Studie wurden psychologische und psychophysiologische Reaktionen auf personalisierte Deepfakes untersucht. Deepfakes führten zu stärkeren negativen Emotionen und höherem Arousal als Kontrollvideos. Besonders deutlich waren die Reaktionen bei sexualisierten Deepfakes. Hier zeigte sich auch eine erhöhte elektrodermale Aktivität.
Die Ergebnisse weisen zugleich auf die Bedeutung von Selbstidentifikation und dem Erleben einer Verletzung der eigenen Privatsphäre hin. Gleichzeitig wurde diskutiert, dass dieselbe Technologie perspektivisch auch therapeutische Anwendungsmöglichkeiten eröffnen könnte.
Dr. Norman Schmid, St. Pölten: „Die Kombination von Neuro und Biofeedback bei somatischer Belastungsstörung und funktionellen Beschwerden“
Norman Schmid spannte den Bogen von psychophysiologischen Grundlagen bis zur konkreten therapeutischen Anwendung. Ein zentraler Punkt war die individuelle Diagnostik. Nicht jedes Verfahren passt zu jedem Patienten und nicht jedes auffällige Symptom verlangt dasselbe Trainingsprotokoll. Psychophysiologische Stressprofile können helfen, relevante Regulationsmuster zu erkennen und Biofeedback oder Neurofeedback gezielter einzusetzen.
Besonders wichtig war dabei die Betonung, Biofeedback nicht auf ein reines Entspannungsverfahren zu reduzieren. Sichtbares Feedback kann Lernprozesse unterstützen und Selbstwirksamkeit fördern. Das Gerät unterstützt die Therapie, ersetzt aber nicht die therapeutische Begleitung.
Ayse Keyha, Chemnitz: „SMR Neurofeedbacktraining bei Insomnie: eine Pilotstudie mit doppelter Verblindung“
Zum Abschluss ging es um Neurofeedback bei Ein und Durchschlafstörungen. Untersucht wurde ein SMR Neurofeedbacktraining mit einem Ruhebild als Transferreiz.
Die randomisierte Pilotstudie verglich Neurofeedback unter anderem mit Hautleitwert Biofeedback und einer Kontrollbedingung. In der kleinen Stichprobe zeigte sich keine Überlegenheit des SMR Neurofeedbacks. Auch ein eindeutiger längerfristiger Lernfortschritt war nicht erkennbar. Interessanterweise zeigten sich bei einigen Schlafparametern eher positive Tendenzen in der Biofeedbackgruppe.
Die Referentin machte jedoch sehr deutlich, dass die geringe Stichprobengröße keine belastbaren Wirksamkeitsaussagen erlaubt. Die anschließende Diskussion über Trainingsdauer, Schwellenwertsteuerung, Verblindung, Transfer und die Bedeutung individueller Formen der Insomnie zeigte exemplarisch, wie wichtig eine kritische Auseinandersetzung mit Studiendesigns im Biofeedback und Neurofeedback ist.
Was bleibt vom ersten Abend?
Für mich vor allem eines: Biofeedback und Neurofeedback entwickeln sich nicht nur technisch weiter. Gleichzeitig wird genauer gefragt, welcher Parameter bei welchem Menschen, bei welcher Störung und unter welchen Bedingungen sinnvoll ist.
Die Verbindung von objektiver Psychophysiologie, subjektivem Erleben, therapeutischer Beziehung und sorgfältiger Methodik zog sich wie ein roter Faden durch den Abend.
Ein intensiver und diskussionsreicher Auftakt.
